Kinderpartizipation in Lamersdorf -
Erfolgreiche Beteiligung von Kindern in ländlichen Entwicklungsprozessen

Im Sommer 2014 wurde das Angebot "Kinder - die Dorfgestalter(innen) von morgen" erstmals in Lamersdorf (Kreis Düren) durchgeführt. Da das Projekt sehr erfolgreich verlaufen ist, möchten wir es hier exemplarisch vorstellen und von einigen Eindrücken berichten:

 

Teil 1 - Aufbruchstimmung

Es war ein glücklicher Zufall der uns mit dem Dorfforum Lamersdorf zusammen-brachte - einer Gruppe engagierter EinwohnerInnen, die mit dem Forum einen niederschwelligen Rahmen schaffen, um Themen des Zusammen-lebens zu besprechen und bürger-schaftliches Engagement zu organi-sieren. Ohne einen geeigneten Träger und die direkten Kontakte in den Ort, hätten wir weder die Kinder erreicht, noch nachhaltig arbeiten können.

Das Dorfforum war gemeinsam mit der Idee einer "Dorf-Uni" aus einer Zukunftswerkstatt mit Erwachsenen im Rahmen umfangreicherer Entwicklungs-prozesse entstanden: Die durch den Braunkohleabbau massiv beeinflusste Region stellt sich unter anderem in Form der Entwicklungsgesellschaft indeland mbH den Herausforderung einer Umgestaltung und Umnutzung des Tagebaugeländes. Und auch die Bewerbungen im Wettberwerb "Unser Dorf hat Zukunft" und um LEADER-Fördermittel haben einen Anstoß für Veränderungen gegeben.
Insofern stieß unser Projekt unbeabsichtigt auf bereits "gepflügten Boden" - sicherlich auch Grund für die erlebte positive Resonanz.

 

Dorferkundung und Zukunftsworkshop

Zwei Termine in den Sommerferien standen den Kindern von Lamersdorf zur Auswahl für einen eintägigen Dorfentwicklungs-Workshop. Nachdem zunächst spielerisch Bedeutung und Struktur demokratischer Prozesse erlernt wurden, machten sich insgesamt 30 Kinder und Jugendliche mit Kameras auf den Weg, um ihren Ort zu erkunden. Leitfragen waren dabei "Was gefällt euch gut?" "Was sollte anders sein?"

Kinderperspektive
(c) Kinder Lamersdorf

Der Rundgang erfüllte dabei drei wichtige Ziele:

  • Kinderorte entdecken und Kinderbedürfnisse erfahren
  • Grundlage für den Visionsentwicklungprozess schaffen
  • Perspektive der Kinder festhalten (in Fotos) um die Erwachsenen später für "Kindersicht" zu sensibilisieren

In einem nächsten Schritt haben wir die Kinder eingeladen, ihre Vorstellungen einer Zukunft des Ortes mit Knetmasse zu "gestalten". Getreu dem Motto "alles ist möglich" konnte einige Kreativität entfaltet werden.

Skulptur-Schwimmbad
(c) Kinder Lamersdorf

Wichtiger als die gekneten Skulpturen war die Zeit in Gesprächen mit den Kindern: "Ein Schwimmbad im Ort? Das ist doch unrealisitisch!" Das ist auch den Kindern bewusst. Doch im Gespräch entstanden nach und nach neue Ideen, z.B. den Dorfbach zu einem Natur-Wasserspielplatz umzugestalten.

 

Teil 2 - Tatendrang und ein Ausblick

Nachdem die Eindrücke der ersten Veranstaltungen gesackt und die Ergebnisse gesichtet waren, ging es darum, den Kinderideen Taten folgen zu lassen. Damit Kinderpartizipation weder Scheinbeteiligung noch Wunschkonzert ist, sind wir in zwei Schritten vorgegangen:

 

Pläne schmieden und Anpacken

In den Herbstferien trafen wir uns dann erneut, denn aus den anfänglichen Ideen sollten konkrete Pläne werden. Wir baten die Kinder zunächst um eine Bewertung und Gewichtung der bisherigen Ideen und schnell wurde klar: Die Sauberkeit des Ortes und ein guter Zustand der Spielorte sind ihnen sehr wichtig.

Um den Kindern eine möglichst unmittelbare Erfahrung der Wirksamkeit ihres Engagements zu ermöglichen, wurde die Renovierung des als besonders ungemütlich empfundenen Bushaltestellen-häuschens in Angriff genommen. Ohne die Bereitschaft des Dorfforums und engagierter Eltern wäre das sicherlich schwer geworden.

Bushäuschen
(c) Dorfforum Lamersdorf

Die Jugendlichen nahmen sich dann auch noch Zeit für erste Planungen einer Kinderdisco bzw. eines Filmnachmittags. Es zeigte sich ein großes Interesse daran, im Bürgertreff ein eigenes Angebot zu verwirklichen und so mit eigenen Mitteln einen Beitrag dazu zu leisten, den Ort kinder- und jugendgerecht zu gestalten.

 

Ausstellung von Kindervisionen

In den Wochen vor Weihnachten wurden dann die von den Kindern geschossenen Fotos und gekneteten Skulpturen im Rathaus der Gemeinde ausgestellt. Zur Vernissage kamen auch einige Ratsmit-glieder hinzu und Bürgermeister Ulrich Schuster ließ sich von den Kindern durch die Ausstellung führen.

 

Vernissage-Inden
(c) Aachener Zeitung, Günther Król

Auf eine Kommentierung der Bilder und Skulpturen oder eine Präsentation von konkreten Ergebnissen haben wir im Rahmen der Ausstellung bewusst verzichtet. Wichtiger war uns, die erwachsenen BesucherInnen zu ermutigen, die Kinderperspektive einzu-nehmen und sich für eigene Ideen inspirieren zu lassen.

 

Das Thema Nachhaltigkeit

Das Gesamtprojekt hatte zwei Ziele: Zum einen sollten die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder für die anstehenden Entwicklungsprozesse in den Blick genommen werden - getreu dem Motto: "Kinder wissen am besten, was kindgerecht ist"
Ebensowichtig war uns aber auch, dass den Kindern ein Rahmen für selbst-organisierte Aktionen ermöglicht wird und wurde. Da bürgerschaftliches Engagement "das große Pfund" ländlicher Gemeinden und Voraussetzung für erfolgreiche Entwick-lungsprozesse ist, ist es von großer Bedeutung alle EinwohnerInnen (also auch Kinder und Jugendliche) dazu zu ermutigen und dafür geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.

Der Erfolg unserer Arbeit bemisst sich daher schlussendlich auch darin, inwieweit Gemeinde und Dorfgemeinschaft Kinder weiterhin an Entscheidungen beteiligen und ob Rahmenbedinungen geschaffen werden, die junges Engagement ermöglichen und fördern.
Das Dorfforum hat sich dazu entschieden, eine "Kinderkonferenz" als regelmäßiges Treffen zu etablieren um beiden Ansprüchen Rechnung zu tragen. Die Akademie Junges Land wird sie dabei weiterhin beraten und begleiten.

 

 "Die Zukunft sind Kinder
und zwar sie allein."

(Karin Jäckel)

 

Es bleiben offene Fragen? Sie wollen in Ihrer Gemeinde das Thema Kinder- und Jugendpartizipation in Angriff nehmen?


Melden Sie sich gerne bei uns!

 

 

Melden Sie sich bei uns!

Sie sind auf der Suche nach einem Partner für abwechslungsreiche Workshops und fundierte Seminare? Sie suchen kompetente Hilfe und Begleitung Ihrer Prozesse und Vorhaben?

Melden Sie sich bei uns und wir überlegen gemeinsam, wie wir Sie unterstützen können.

0 22 24 / 94 65-40
akademie@jungesland.de

Kontaktformular

Mobile Akademie

Als mobile Akademie kommen wir dahin, wo sie uns brauchen: Entweder ganz nah vor Ort, oder weit weg vom Alltag. Die Absprache mit einem Haus übernehmen wir für Sie.

Und wir bringen alles mit, was es für eine erfolgreiche Veranstaltung braucht - vom Kugelschreiber bis zur Metaplanwand.

Fortbildung Moderation

Was muss eine Moderation können? Was zeichnet eine moderierende Haltung aus? Wie weckt man Ideen und welche Methoden helfen?

5. bis 7. Oktober 2018
Köln

Hier gehts zu den Infos.

KLJBlogoRGB-klein     Logo-lernen-im-gruenen-RGBklein